Sachseln/Flüeli
Auf dem Jakobsweg durch Obwalden
Erholung für Leib und Seele
Seit Jahrhunderten sind Menschen als Pilger unterwegs.
Sie nehmen sich Zeit, um Abstand zu gewinnen und auf dem (oft langen
und steinigen) Pilgerweg den Zugang zu sich selbst zu finden. «Der
Weg ist das Ziel» ist zum modernen Slogan geworden. Der Weg
auf dem Jakobsweg durch Obwalden, wo sich Natur und Kultur zu einem
besonderen Erlebnis verbinden, führt zu einem begehrten Ziel:
Erholung für Leib und Seele.
Grosse Pilgertradition
Der Gang auf dem Jakobsweg verbindet die Pilger mit einer grossen
Pilgertradition. Unzählige gingen vor ihnen auf diesem Weg.
Santiago de Compostela im äussersten Nordwesten Spaniens, wo
das Grab des Apostels Jakobus verehrt wird, gilt seit dem Mittelalter
als einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte der katholischen Kirche.
Nur Jerusalem und Rom hatten als Wallfahrtsorte noch grössere
Bedeutung. Vor allem zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert gehörte
der Jakobsweg zu den meistbegangenen Pilgerwegen des Abendlandes.
Seitdem der Europarat 1987 den historisch belegten
Jakobsweg von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela
zur ersten europäischen Kulturstrasse erklärt hat, ist
wieder ein wachsendes Interesse an diesem alten Pilgerweg festzustellen.
1999, im letzten Heiligen Jahr (d.h. wenn der Festtag des Apostels
Jakobus am 25. Juli auf einen Sonntag fällt), erhielten 154
613 Pilger das begehrte Diplom, das bestätigt, dass sie mindestens
die letzten 100 Kilometer zu Fuss oder zu Pferd zurückgelegt
haben (mit dem Velo die letzten 200 Kilometer).
Obwalden liegt am Jakobsweg
Im Gegensatz zum «Camino de Santiago» in Spanien gibt
es durch die Schweiz keinen einheitlichen Jakobsweg. Die Pilger
benützten die üblichen Verkehrs- und Handelswege. Bei
der Routenwahl achteten sie auf die Sicherheit der Wegstrecken,
auf die Begehbarkeit (die auf den damaligen Naturstrassen und -wegen
je nach Witterungseinflüssen stark wechseln konnte) und die
Topographie, aber sicher auch auf die Schönheit der Landschaft
sowie die Gastfreundschaft der Bewohner. Da das Gebet und die Besinnung
eine zentrale Rolle spielten, wanderten die Pilger vor allem aber
durch jene Gebiete, wo sie die meisten Heilsorte aufsuchen konnten.
Auf dem Weg von Konstanz nach Genf war die Route über Einsiedeln
(Muttergottes), Flüeli-Ranft (Bruder Klaus) und die Beatushöhlen
(St. Batt) besonders begehrt.
So ist Obwalden, obwohl 2000 Kilometer von Santiago
de Compostela entfernt, in den traditionsreichen Jakobsweg eingebunden.
Ein Patronatskomitee hat 1999 den Obwaldner Abschnitt des Jakobswegs
von Stans über den Bruder-Klausen-Weg nach St. Niklausen in
den Ranft und weiter über das Flüeli, Sachseln, Lungern
und den Brünig ins Berner Oberland neu belebt, einen Kulturwanderführer
sowie einen Flyer herausgegeben (vgl. Kasten). Eine detaillierte
Routenbeschreibung findet sich auch im Internet unter www.jakobsweg.ch.
Gegen die Unrast der Zeit
Die Ängste und Nöte ihrer Zeit führten die Menschen
seit dem Mittelalter auf Pilgerwege. An den heutigen Menschen hinterlassen
Unrast und Hektik, Unsicherheit und Orientierungslosigkeit ihre
Spuren. Manche sind dabei, sich selbst zu verlieren und brauchen
einen Halt zur Selbstbesinnung.
Wer wandernd unterwegs ist, kann sich von äusseren
Zwängen lösen. Der Terminkalender und die täglichen
Verpflichtungen verlieren an Wichtigkeit. Das Tempo wird gemächlicher.
Jetzt werden Augen, Ohren und alle Sinne frei, die Natur aufzunehmen.
Die herrliche Obwaldner Voralpenlandschaft mit Seen und Bergen,
Bächen und Hügeln, Feldern und Siedlungen offenbart ihren
grossen Reichtum. Schnell kommt der Wanderer ins Staunen. Wer hat
all dies gemacht? Für einen Christen ergibt sich die Brücke
zum Schöpfer - von Natur und Mensch. Sich als Teil dieser Schöpfung
zu erfahren und zu erleben, gibt einen andern Blickwinkel auf die
Daseinsfragen. Es wirkt entlastend. Zur äusseren Ruhe beginnt
die Ruhe im Innern einzukehren. Das macht bereit, die vielen kleinen
und kleinsten Kapellen am Weg aufzusuchen, still da zu sein, ein
Zwiegespräch mit dem Schöpfer aufzunehmen. So wird ein
Pilgerweg zur Kraftquelle für Leib und Seele.
In den letzten Jahren hat die Zahl der Jakobspilger durch Obwalden
stark zugenommen und ist besonders in diesem Jahr gross. Sie erschliessen
für sich die erholsame Quelle für Leib und Seele. Diese
steht auch Einheimischen offen, die einen vermeintlich bekannten
Teil des traditionellen Pilgerwegs begehen, neu entdecken und dabei
näher zu sich selber kommen können.
Remo Rainoni
Pilgertag Stans - Flüeli-Ranft am 25. Juli
Eingebunden in die spirituelle Tradition des Pilgerns
und das Wissen, dass seit über tausend Jahren Suchende diesen
Weg geprägt haben, wird am Jakobusfest ein Pilgertag von Stans
nach Flüeli-Ranft angeboten.
Nach der Besammlung auf dem Dorfplatz in Stans um
08.45 Uhr ist die Gruppe bis ca. 18.00 Uhr unterwegs (reine Wanderzeit
4 1/2 Stunden). An einigen markanten Orten wird Rast gehalten, mit
einer Einstimmung auf unser Pilger-Dasein hier auf Erden. Die Teilnehmenden
lassen sich im achtsamen Gehen bewusst mit allen Sinnen auf den
Weg ein, öffnen sich für das Wesentliche und kommen bei
sich selber an.
Anmeldung bis Samstag, 24. Juli, 12.00 Uhr
an: Via Cordis - Haus St. Dorothea, 6073 FlüeliRanft, Telefon
041 660 50 45, E-Mail: viacordis@bluewin.ch
Kulturwanderführer zum Jakobsweg
1999 ist in der Reihe der Kunstführer der Gesellschaft
für Schweizerische Kunstgeschichte (KSG) der Kulturwanderführer
«Unterwegs auf dem Jakobsweg - Wanderführer zu Kirchen,
Klöstern und Kapellen in Obwalden» erschienen. Der Führer
zeigt die ganze Bandbreite des reichen religiösen Kulturgutes
der Obwaldner Landschaft auf und ist vor allem als Wegbegleiter
für Jakobspilger gedacht. Wertvoll ist er auch, weil die kulturgeschichtlich
wertvollen Kirchen, Klöster und Kapellen im Kanton Obwalden
in Text und Bild vorgestellt werden. Der Kulturwanderführer
ist erhältlich beim Buchladen Libretto in Sachseln und beim
Tourismusbüro in Sarnen. Dort und bei allen Obwaldner Tourismusbüros
kann auch der Flyer «Unterwegs auf dem Jakobsweg in Obwalden»
bezogen werden.
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