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Pfarrblatt von Obwalden

25. Juli - 14. August 2004
 
 

Sachseln/Flüeli

Auf dem Jakobsweg durch Obwalden

Erholung für Leib und Seele

Seit Jahrhunderten sind Menschen als Pilger unterwegs. Sie nehmen sich Zeit, um Abstand zu gewinnen und auf dem (oft langen und steinigen) Pilgerweg den Zugang zu sich selbst zu finden. «Der Weg ist das Ziel» ist zum modernen Slogan geworden. Der Weg auf dem Jakobsweg durch Obwalden, wo sich Natur und Kultur zu einem besonderen Erlebnis verbinden, führt zu einem begehrten Ziel: Erholung für Leib und Seele.

Grosse Pilgertradition

Der Gang auf dem Jakobsweg verbindet die Pilger mit einer grossen Pilgertradition. Unzählige gingen vor ihnen auf diesem Weg. Santiago de Compostela im äussersten Nordwesten Spaniens, wo das Grab des Apostels Jakobus verehrt wird, gilt seit dem Mittelalter als einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte der katholischen Kirche. Nur Jerusalem und Rom hatten als Wallfahrtsorte noch grössere Bedeutung. Vor allem zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert gehörte der Jakobsweg zu den meistbegangenen Pilgerwegen des Abendlandes.

Seitdem der Europarat 1987 den historisch belegten Jakobsweg von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela zur ersten europäischen Kulturstrasse erklärt hat, ist wieder ein wachsendes Interesse an diesem alten Pilgerweg festzustellen. 1999, im letzten Heiligen Jahr (d.h. wenn der Festtag des Apostels Jakobus am 25. Juli auf einen Sonntag fällt), erhielten 154 613 Pilger das begehrte Diplom, das bestätigt, dass sie mindestens die letzten 100 Kilometer zu Fuss oder zu Pferd zurückgelegt haben (mit dem Velo die letzten 200 Kilometer).

Obwalden liegt am Jakobsweg

Im Gegensatz zum «Camino de Santiago» in Spanien gibt es durch die Schweiz keinen einheitlichen Jakobsweg. Die Pilger benützten die üblichen Verkehrs- und Handelswege. Bei der Routenwahl achteten sie auf die Sicherheit der Wegstrecken, auf die Begehbarkeit (die auf den damaligen Naturstrassen und -wegen je nach Witterungseinflüssen stark wechseln konnte) und die Topographie, aber sicher auch auf die Schönheit der Landschaft sowie die Gastfreundschaft der Bewohner. Da das Gebet und die Besinnung eine zentrale Rolle spielten, wanderten die Pilger vor allem aber durch jene Gebiete, wo sie die meisten Heilsorte aufsuchen konnten. Auf dem Weg von Konstanz nach Genf war die Route über Einsiedeln (Muttergottes), Flüeli-Ranft (Bruder Klaus) und die Beatushöhlen (St. Batt) besonders begehrt.

So ist Obwalden, obwohl 2000 Kilometer von Santiago de Compostela entfernt, in den traditionsreichen Jakobsweg eingebunden. Ein Patronatskomitee hat 1999 den Obwaldner Abschnitt des Jakobswegs von Stans über den Bruder-Klausen-Weg nach St. Niklausen in den Ranft und weiter über das Flüeli, Sachseln, Lungern und den Brünig ins Berner Oberland neu belebt, einen Kulturwanderführer sowie einen Flyer herausgegeben (vgl. Kasten). Eine detaillierte Routenbeschreibung findet sich auch im Internet unter www.jakobsweg.ch.

Gegen die Unrast der Zeit

Die Ängste und Nöte ihrer Zeit führten die Menschen seit dem Mittelalter auf Pilgerwege. An den heutigen Menschen hinterlassen Unrast und Hektik, Unsicherheit und Orientierungslosigkeit ihre Spuren. Manche sind dabei, sich selbst zu verlieren und brauchen einen Halt zur Selbstbesinnung.

Wer wandernd unterwegs ist, kann sich von äusseren Zwängen lösen. Der Terminkalender und die täglichen Verpflichtungen verlieren an Wichtigkeit. Das Tempo wird gemächlicher. Jetzt werden Augen, Ohren und alle Sinne frei, die Natur aufzunehmen. Die herrliche Obwaldner Voralpenlandschaft mit Seen und Bergen, Bächen und Hügeln, Feldern und Siedlungen offenbart ihren grossen Reichtum. Schnell kommt der Wanderer ins Staunen. Wer hat all dies gemacht? Für einen Christen ergibt sich die Brücke zum Schöpfer - von Natur und Mensch. Sich als Teil dieser Schöpfung zu erfahren und zu erleben, gibt einen andern Blickwinkel auf die Daseinsfragen. Es wirkt entlastend. Zur äusseren Ruhe beginnt die Ruhe im Innern einzukehren. Das macht bereit, die vielen kleinen und kleinsten Kapellen am Weg aufzusuchen, still da zu sein, ein Zwiegespräch mit dem Schöpfer aufzunehmen. So wird ein Pilgerweg zur Kraftquelle für Leib und Seele.

In den letzten Jahren hat die Zahl der Jakobspilger durch Obwalden stark zugenommen und ist besonders in diesem Jahr gross. Sie erschliessen für sich die erholsame Quelle für Leib und Seele. Diese steht auch Einheimischen offen, die einen vermeintlich bekannten Teil des traditionellen Pilgerwegs begehen, neu entdecken und dabei näher zu sich selber kommen können.

Remo Rainoni

 

Pilgertag Stans - Flüeli-Ranft am 25. Juli

Eingebunden in die spirituelle Tradition des Pilgerns und das Wissen, dass seit über tausend Jahren Suchende diesen Weg geprägt haben, wird am Jakobusfest ein Pilgertag von Stans nach Flüeli-Ranft angeboten.

Nach der Besammlung auf dem Dorfplatz in Stans um 08.45 Uhr ist die Gruppe bis ca. 18.00 Uhr unterwegs (reine Wanderzeit 4 1/2 Stunden). An einigen markanten Orten wird Rast gehalten, mit einer Einstimmung auf unser Pilger-Dasein hier auf Erden. Die Teilnehmenden lassen sich im achtsamen Gehen bewusst mit allen Sinnen auf den Weg ein, öffnen sich für das Wesentliche und kommen bei sich selber an.

Anmeldung bis Samstag, 24. Juli, 12.00 Uhr an: Via Cordis - Haus St. Dorothea, 6073 FlüeliRanft, Telefon 041 660 50 45, E-Mail: viacordis@bluewin.ch

 

Kulturwanderführer zum Jakobsweg

1999 ist in der Reihe der Kunstführer der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (KSG) der Kulturwanderführer «Unterwegs auf dem Jakobsweg - Wanderführer zu Kirchen, Klöstern und Kapellen in Obwalden» erschienen. Der Führer zeigt die ganze Bandbreite des reichen religiösen Kulturgutes der Obwaldner Landschaft auf und ist vor allem als Wegbegleiter für Jakobspilger gedacht. Wertvoll ist er auch, weil die kulturgeschichtlich wertvollen Kirchen, Klöster und Kapellen im Kanton Obwalden in Text und Bild vorgestellt werden. Der Kulturwanderführer ist erhältlich beim Buchladen Libretto in Sachseln und beim Tourismusbüro in Sarnen. Dort und bei allen Obwaldner Tourismusbüros kann auch der Flyer «Unterwegs auf dem Jakobsweg in Obwalden» bezogen werden.

 

 

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