Historhotel-Tagung in Flüeli-Ranft
Geschichte wird zeitgemäss verkauft
Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, will historische Spitzenprodukte, wie Hotels, Bahnen und Dampfschiffe, in Kooperation bringen und vermarkten. Schmid beschrieb diese «Vision» und lancierte die Initiative an der Historhotel Tagung in Flüeli-Ranft.
Karl Josef Verding
Eine Konferenz zur Vorbereitung der Kooperation soll noch in diesem Jahr stattfinden. Veranstaltet wird sie von der Marketing-Organisation Swiss Historic Hotels zusammen mit Schweiz Tourismus und der gemeinnützigen Vereinigung «histORhotel», welche unter anderem für die Qualitätsprüfung der Swiss Historic Hotels zuständig ist.
Im Hotel Paxmontana in Flüeli Ranft trafen sich kürzlich gegen hundert Spitzenvertreter der Hotel- und Tourismusbranche, Architekten und Denkmalpfleger zur Diskussion der Erfolgsfaktoren. ST-Direktor Jürg Schmid löste mit seiner Initiative zugunsten einer weltweiten Vermarktung hochkarätiger, historisch fundierter Schweizer Angebote umgehende Aktivität aus.
«Der Gast will heute mehr als Ferien», erklärte Schmid in Flüeli aufgrund neuer Kennzahlen der European Travel Commission ETC: Für jeden fünften Gast ist Kultur der primäre Reisegrund. Für 63% ist Kultur ein wichtiger Reisegrund und kombinierter Aspekt der Reise, aber nicht der primäre - diese Zielpublikums-Gruppe will Schweiz Tourismus mithilfe der neuen, umfassenden Kooperation bearbeiten.
Europa-Kennzahl: 63% der Reisenden kulturinteressiert
Wie sieht die 63-Prozent-Person aus? Diese zwei Drittel der Reisenden in und nach Europa sind zu mehr als der Hälfte weiblich, sie sind überdurchschnittlich ausgebildet und sie zählen zu den Besserverdienenden. Keine spezifische Altersgruppe überwiegt, aber das grösste Potenzial ist bei den «best agers» (40 plus). Dieses Publikum informiert sich und bucht gemäss den ETC Kennzahlen vorwiegend via Internet, und es bevorzugt Low-Cost-Airlines.
«Die Schweiz bietet viel mehr als Ferien. Sie ist ein natürlich gewachsener Erlebnispark», so unterstrich ST Direktor Schmid die grosse Chance des Landes zur Akquisition dieses Publikums. Und: «Was die Schweiz einzigartig macht, ist das historische Erlebnis, sind echte Werte und Erfahrungen - und damit eigentlich der Gegentrend zur Globalisierung.» Der Inhalt des Erlebnisses selber müsse nicht historisch sein - aber historisch sei die Plattform Schweiz: «Die Schweizer Geschichte lebt.»
«Nur die Hotels sind historisch, nicht die Gäste»
Die Schweiz biete ein Maximum an Highlights versehen mit optimaler Verkehrserschliessung und Gastronomie, betonte Schmid. Ausserdem besitze das Land die älteste Raddampferflotte Europas. Dem historischen Bahnreise Trend kommen unter anderem die SBB entgegen, darunter mit einer Historic Website: www.sbbhistoric.ch.
«Der Gast orientiert sich an Marken», so zitierte Schmid einschlägiges Marketing-Wissen: «Die Kleinen werden vergessen.» Marken seien Kunden-Wegweiser, sie seien Erlebnis- und Qualitätsgaranten. Sie brauchen, so Schmid, «eine konsequente, repetitive Kommunikation» - mit dem dafür angemessenen Budget. Denn, so der ST Direktor an das Publikum in Flüeli Ranft: «Der Gast muss Sie verstehen. Nur die Hotels sind historisch, nicht die Gäste. Die Hotels müssen modern kommunizieren, die Komplexität reduzieren und eine zugängliche Sprache vermitteln.» Vor allem: «Sie müssen sich vernetzt präsentieren.»
Schmid benannte seine «Vision»: «eine Hitparade der 35 bis 50 echten historischen Schweiz-Erlebnisse» - jeweils «aus einer Hand, an einem Ort, mit einem Anruf, mit einem Ticket». Dafür müsse man Vermarktungskooperationen eingehen, mit den Swiss Historic Hotels als Kern der Kooperation.
Zum Bespiel die «Via Spluga» sei «hervorragend verknüpft» und «unschlagbar», begeisterte sich Schmid. Es gelte, ein Thema zu vermarkten - nicht einzelne Produkte - und die Themenführerschaft anzustreben. «Dann erschliessen sich Zielgruppen-Synergien für alle.»
Geschichte, Landschaft und Kultur im Blick. Die Tagungsstätte, das Hotel Paxmontana in Flüeli-Ranft, hatte im Wettbewerb Historisches Hotel des Jahres 2002 spezielle Anerkennung für seinen «überdurchschnittlichen Erlebniswert» erhalten.
4 neue «Historic Hotels»
Soeben erschien das Verzeichnis 2005 der Swiss Historic Hotels. 14 Hotels gehören der Vereinigung an, vom Landgasthof im Berner Oberland aus dem Jahr 1753 bis zum 5-Sterne-Hotel der vorletzten Jahrhundertwende in Graubünden. Neu dazugestossen sind die Hostellerie Bon Accueil (1756) in Château d'Oex, Schloss Sins (1695) in Paspels/Domleschg, Schloss Wartegg (1557) in Rorschacherberg sowie die Alte Herberge Weiss Kreuz (1519) in Splügen. KJV
Das Hotelverzeichnis 2005 ist erhältlich über info@swiss-historic-hotels.com,
Fax 031 302 32 27; Website: www.swiss-historic-hotels.com
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