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15. August 2005
 

Lotti Latrous auf der Aelggi-Alp mit Tränen

SACHSELN - Sie war zu Tränen gerührt. Lotti Latrous, die Schweizerin des Jahres 2004, auf der Aelggi-Alp 1650 Meter hoch über Sachseln.

Die Kuhglocken erklangen in der Idylle des strömenden Regen und der Bach führte mächtig Wasser ins Tal, als Lotti Latrous im geografischen Zentrum der Schweiz geehrt wurde. Am 8. Januar, am Geburtstag von Bundespräsident Samuel Schmid, wurde sie an der grossen TV-Gala «Swiss Awards» in Zürich zur Schweizerin des Jahres 2004 erkoren. Wie vor ihr Tennis-Star Roger Federer und Kambodscha-Kinderarzt Beat «Beatocello» Richner. Jetzt ist auch der Name von Lotti Latrous auf der Metallplatte des Aelggi-Steines eingraviert. Es ist der Name einer Schweizerin mit grossem Herz.

Im Februar 1999 eröffnete Latrous mit Hilfe ihres Ehemannes, Nestlé-Topmanager Aziz Latrous, dort ein Aids-Ambolatorium und Sterbespital, wo das Leid am grössten ist – in Adjouffou, dem Elendsviertel von Abidjan, der Wirtschaftmetropole der Elfenbeinküste (Westafrika). «Gleich letzte Woche ist bei uns wieder ein Mädchen gestorben», erzählte Lotti Latrous in ihrer Dankesrede. Sie konnte ihre Tränen nicht zurückhalten. Genauso wie Gabriella Baumann-Von Arx, die enge Freundin und zweifache Latrous-Buchautorin («Lotti, La Blanche», «Madame Lotti») bei ihren Dankesworten.

Die Frau die ihre Kraft den Sterbenden schenkt

«Lotti Latrous ist eine Frau, die ihr Herz täglich an die Sterbebetten trägt», sagte TV-Moderatorin Sandra Studer, die eigens ihre Ferien abbrach, in ihrer Würdigung. «Frau Latrous ist für uns alle ein grosses Vorbild», erklärte Sachselns Gemeindepräsidentin Margrit Freivogel.

 

Jetzt ist auch der Name von Lotti Latrous auf der Metallplatte des Aelggi-Steines eingraviert. Es ist der Name einer Schweizerin mit grossem Herz
Lotti Latrous vor dem Gedenkstein.
Bild: André Häfliger

 

Sängerin Marie-Louise Werth aus Sarnen untermalte die Feier mit zwei Liedern, Jungmusikanten aus Flühli-Ranft traten ebenso auf wie die Alphornbläser Niklaus von Moos und Hanspeter Schnider – und niemand der über 100 Gäste störte sich eigentlich an den Regengüssen.

Zu wichtig war der Anlass. «Ich bin zutiefst gerührt und dankbar», sagte Lotti Latrous, die mit Ehemann Aziz sowie den Kindern Sonia, Selim und Sarah kam, unserer Zeitung. Der «weisse Engel von Abidjan» (ZDF) wird gleich wieder zu ihren Kindern nach Westafrika reisen. «Ich bin immer bei ihnen», sagte Frau Latrous, die letztes Jahr in Deutschland auch von der Leserschaft der «Bild für die Frau» zur Frau des Jahres erkoren wurde. «Ich war nur im Januar, im Mai und jetzt ein paar Tage in der Schweiz. Sonst bin ich immer nur da, wo ich hingehöre.»

Welch eine Frau, welch ein Engagement!

ANDRÉ HÄFLIGER

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