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REVUE SCHWEIZ

12/06

 
 

FLÜELI-RANFT

Ein Obwaldner für die ganze Welt

Niklaus von Flüe – Bruder Klaus

«Bruder Klaus ist viel zu gross, um nur Obwaldner zu sein. Er ist zu gross sogar für einen Eidgenossen. Er gehört der ganzen Welt.

Klause Niklaus von Flües

Flüeli-Ranft.

In der Schlucht unterhalb von Flüeli steht die Klause Niklaus von Flües mit der angebauten Kapelle .

L'ermitage de Flüeli.

Dans la gorge en-dessous de Flüeli se ve l'ermitage de Nicolas de Flüe, flanque d'une chapelle.

Flüeli-Ranft.

In the gorge below Flüeli, a chapel has bei built onto Niklaus von Flües' former cell.

Im Alter von 29 Jahren heiratete Niklaus von Flüe (1417-1487) die damals erst 14-jährige Dorothea Wyss, was den damaligen Gepflogenheiten entsprach. Das Wohnhaus der von Flües stand und steht immer noch im Flüeli oberhalb von Sachseln. Hier gebar Dorothea fünf Knaben und fünf Mädchen. Zum familiären Glück und wirtschaftlichen Erfolg gesellte sich der soziale und politische Aufstieg. Man sah in Niklaus von Flüe bereits den zukünftigen Landammann. Vor seinem 50. Lebensjahr geriet Niklaus in eine tiefe Sinn- und Lebenskrise. Er spürte eine unstillbare Sehnsucht und eine innere Unruhe, nahm Abschied von allen politischen Ämtern und beschloss für den Rest seines Lebens ins Ausland zu gehen, um als Wallfahrer von einem heiligen Ort zum anderen zu wandern. Bereits in Liestal BL wurde er aber von starken Erscheinungen heimgesucht, die ihn in seine Heimat zurückkehren liessen.

Das Fastenwunder

Aus Ästen und Laub baute sich Niklaus von Flüe Ende 1467 im Ranft bei Flüeli eine Hütte. Seine Mitbürger und Freunde errichteten dem Gottesmann im Folgejahr eine richtige Klause und eine Kapelle. In seiner bescheidenen Zelle lebte Bruder Klaus, wie er sich fortan nannte, 19 Jahre lang bis zu seinem Tod im 70. Lebensjahr. Er besass weder Tisch noch Stuhl und der nackte Fussboden diente ihm als Nachtlager. In dieser frei gewählten Besitzlosigkeit wirkte der Mystiker, Beter und Visionär als Mahner und Ratgeber. Seit den Erscheinungen in Liestal enthielt sich Bruder Klaus jeder Einnahme von Speisen oder Getränken. Nach vielen zeitgenössischen Zeugnissen lebte er 19 Jahre lang ohne jede Nahrung. Er stärkte sich allein durch die heilige Eucharistie. Das Fastenwunder ist mehrfach überprüft und bezeugt worden.

Sachseln

Sachseln.

Die Gemeinde mit direktem Bahnanschluss nach Luzern und Interlaken ist Ausgangspunkt für die Wallfahrten zu Bruder Klaus im Flüeli-Ranft.

Sachseln.

La commune, reliée ä Lucerne et a Interlaken par une ligne ferroviaire directe, est le point de depart des pelegrinages vers l'ermitage du Frère Nicolas.

Sachseln.

The town with direct rail links to Lucerne and Interlaken is the starting point for the Brother Klaus piligrinage to Flüeli Ranft.

   

Friedensheiliger und Landesvater

Der Eremit Bruder Klaus wurde als lebendiger Heiliger verehrt und das einfache Volk, Pilger, Gesandte und Ratsboten der Eidgenossenschaft und des Auslandes suchten bei ihm Rat, Fürbitte und Trost. Das Stanser Verkommnis (Vertrag) von 1481 begründete schliesslich seinen Ruhm als Friedensheiliger und Landesvater. Er wurde durch seinen Rat zum Retter der Heimat, als sich die Acht Alten Orte nach den Burgunderkriegen zerstritten und in einer inneren Krise befanden. Der Vertrag von 1481 gilt als Meilenstein in der Geschichte der Alten Eidgenossenschaft, denn er bildete bis zum Untergang derselben im Jahre 1798 die Grundlage für die Zusammenarbeit der acht, später dreizehn eidgenössischen Orte.

Bruder Klaus starb am 21. März 1487. Seine Seligsprechung erfolgte 1649, die Heiligsprechung erst 1947. Die Kapelle und die Klause im Ranft sowie das Wohnhaus der Familie von Flüe im Flüeli oberhalb von Sachseln gehören heute zu den meistbesuchten Wallfahrtsorten in der Schweiz.

Selber wallfahren

Sachseln ist ab Luzern mit dem Regionalzug der Zentralbahn erreichbar. Ab Sachseln fährt ein regelmässiger Busbetrieb ins Flüeli. Vom Flüeli erreicht man die idyllisch in einer Schlucht gelegene Klause in einem viertelstündigen Spaziergang. Wer im Flüeli übernachten will, wählt eines der örtlichen Gasthäuser oder das grosse Jugendstil-Hotel «Paxmontana», wo 1984 auch Papst Johannes Paul II einkehrte. Der spektakuläre Holzbau des «Paxmontana» gehört zur Gruppe der Swiss Historic Hotels und steht direkt neben dem Wohnhaus Niklaus von Flües.

Weitere Infos und Links zum Thema «Bruder Klaus» finden Sie unter www.bruderklaus.ch oder www.paxmontana.ch

PETER-L. MEIER

 

 

 

 

 

 

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