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16. Juli 2006
 

Schweizer des Jahres 2005 auf der Älggi-Alp

Bescheidenheit auf der Alp der Superschweizer

Jetzt ist auch Peter Sauber oberhalb von Sachseln verewigt

Christiane und Peter Sauber auf der Alp Älggi bei Sachseln  

Es ist alles typisch schweizerisch: Im Seefeld auf 1850 Meter ü. M. sitzt die Gästeschar hinter dampfenden Älplermagronen aus dem Chessi und Apfelmus und prostet sich mit Fechy oder Süssmost zu. Wenn die Handörgeler vom Echo vom Hüttlidach eine Pause einlegen, pusten die drei Mannen vom Alphorntrio Steinbock in ihre langen Hörner, und wenn auch sie Ruhe geben, übernehmen die Kühe mit ihrem fröhlichen Glockengebimmel.

< Peter Sauber mit Ehefrau Christiane vordem Ehrenstein auf der Älggi-Alp: Loslassen-Können ist ein seltenes Phänomen in seiner Gehaltsklasse

Natürlich ist auch der Anlass, um den es an diesem Samstagnachmittag auf den lichten Höhen des Kantons Obwalden geht, durch und durch schweizerisch: Auf der Älggi-Alp oberhalb von Sachseln, auf 1650 Meter ü. M. und exakt im geografischen Mittelpunkt des Landes, wird ein neuer Superschweizer installiert:

Der Name von Peter Sauber, am 14. Januar 2006 in der TV-Gala «Swiss Award» vom helvetischen Fernsehpublikum zum «Schweizer des Jahres 2005» gewählt, prangt jetzt auf dem Stein, auf dem schon der Arzt Beat Richner (2002), Tennisstar Roger Federer (2003) und Lotti Latrous (2004), Gründerin eines Sterbehospizes für Aidskranke in Abidjan, verewigt sind. Der Name von Bundesrat Christoph Blocher indes, den ein Unbekannter in die Plakette geritzt hatte, wurde bei dieser Gelegenheit abgeschliffen und entfernt.

Ein buntes, festfreudiges Volk ist da. «Swiss Award»-Moderatorin Sandra Studer ist mit Tochter Lili, Gottenkind Adriana und einem Dritten im Bauch hochgekommen und freut sich, «dass ich diesmal die Älggi-Alp sehen kann»; vor einem Jahr, bei der Ehrung von Lotti Latrous, stand man in heftigem Regen und dichtem Nebel.

Auch Gabriela Amgarten, Abteilungsleiterin Unterhaltung beim Schweizer Fernsehen, ist da, und Toni Wachter, Produzent von «Swiss Award». Die beiden sind sich einig: «Die Sendung ist in kürzester Zeit zu einem fixen Termin im gesellschaftlichen Leben der Schweiz avanciert.»

Die Obwaldner freuen sich mit. Landammann Hans Waltimann ist stolz darauf, dass sein Kanton Anteil hat an der Kürung der Superschweizer, und Sachselns Gemeindepräsidentin Margrit Freivogel sagt: «Dank dem Fernsehen weiss heute fast jeder im Land, wo der Mittelpunkt der Schweiz liegt.»

Nur der Geehrte bleibt bei diesem ganzen voralpinen Festakt seltsam still. Peter Sauber, begleitet von Ehefrau Christiane, war einst selber Autorennfahrer, dann Formel-l-Teamchef, baute ein äusserst erfolgreiches Unternehmen mit dem Standort Hinwil auf und verkaufte seinen Rennstall letztes Jahr, mit 62, an den Motorenbauer BMW, der Saubers Lebenswerk in dessen Sinne weiterzuführen versprach. Unter den bisherigen «Schweizern des Jahres» markiert er den Typus des erfahrenen Unternehmers und Selfmademans, und befragt man ihn hartnäckig genug, gibt er sogar zu, dass ihn besonders gefreut hat, «dass die Jury das Unternehmerische honoriert hat und mir gleichzeitig das Volk den Gesamtpreis verlieh». Den hatte er sich möglicherweise auch für sein rechtzeitiges Loslassen-Können geholt, ein selten zu beobachtendes Phänomen in dieser Gehaltsklasse.

Als dann TV-Sport-Chef Urs Leutert in seiner witzigen Laudatio die vielseitigen Qualitäten Saubers rühmt, antwortet dieser bescheiden: «So gut bin ich nicht, wie du mich dargestellt hast. Aber es hat doch gut getan.»

Typisch Sauber. Und - auch das - typisch Schweiz.

VON ROGER ANDEREGG (TEXT) UND GIAN VAITL (FOTOS)

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