Swiss Awards
Abderhalden schwingt obenaus
Dreimal schon erkämpfte er sich die höchste Schwinger-Krone. Und jetzt setzt er einen deutlichen Sieg oben drauf: Jörg Abderhalden (28) ist Schweizer des Jahres.
Das Fernseh-Publikum hatte am Samstag an der Live-Gala «Swiss Awards» im Zürcher Hallenstadion die Qual der Wahl. Und es setzte den Schwingerkönig Jörg Abderhalden aus dem Toggenburg mit 20,38 Stimmprozenten klar an die Spitze der 18 Nominierten. Die erste Reaktion des Siegers nach einer herzlichen Umarmung mit Ehefrau Andrea: «Das hätte ich nie erwartet.»
Der dreifache Schwingerkönig gewann vor dem Schweizer «Bond»-Regisseur Marc Forster, der mit seiner Freundin Dana Kohler kam und 15,01 Prozent der Stimmen einheimste. In der Kategorie Show wurde Forster von der Swiss-Award-Jury gar auf den ersten Platz gehoben und erhielt den Award von SF-Direktorin Ingrid Deltenre. Den dritten Platz in der Ausscheidung für den Schweizer des Jahres holte sich mit 10,01 Prozent Alinghi-Teamchef Ernesto Bertarelli, den seine Frau Kirsty begleitete.
Erfolg für Edith Hunkeler
Einen tollen Achtungserfolg erzielte die bereits in Australien trainierende Edith Hunkeler (8,8 Prozent): Die Luzerner Rollstuhlsportlerin klassierte sich auf dem fünften Platz hinter der ehemaligen Chefanklägerin des Sondertribunals für das ehemalige Jugoslawien, Carla Del Ponte (9,91 Prozent). |
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Gerührt nimmt Schwingerkönig Jörg Abderhalden die Trophäe als Schweizer des Jahres 2007 entgegen. (Bild Keystone) |
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Sieger Abderhalden und der Zweitplazierte Forster attestierten unisono: «Hut ab. Das mögen wir Edith von Herzen gönnen.» Abderhalden fügte an: «Ich selber hätte Edith Hunkeler sogar noch weiter vorne erwartet.» Aus Australien liess die Rollstuhlsportlerin freudig verlauten: «Das ehrt mich sehr. Ich danke allen herzlich und aufrichtig, die mir die Stimme gegeben haben.»
Bei den Kategoriensiegern ging die Zentralschweiz leer aus. Die über 100-köpfige Jury liess in der Kategorie Gesellschaft Karin Mölling, Virologin an der Universität Zürich, den Vorrang gegenüber der Schwyzer Ex-Polizeichefin Barbara E. Ludwig. «Das macht nichts», erklärte die heutige Leiterin des Opfer- und Zeugenschutzes am UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. «Die Nomination allein ist für mich Ehre und Freude genug.»
Fabienne Louves und die Jodler
Der Trost für unsere Region: MusicStar Fabienne Louves aus Emmenbrücke sorgte mit ihrer in drei Sprachen gesungenen Nationalhymne für einen Höhepunkt im Show-Programm, genauso wie der 18-köpfige Nidwaldner Jodlerklub Wiesenberg mit seinem Erfolgslied «Ewigi Liäbi». Und der Luzerner Mister Schweiz Tim Wielandt «verschenkte» als Glückszahl-Auslöser auch noch eine satte Million Franken.
Grosses Pech hingegen für Bianca Sissing: Die Luzerner Ex-Miss Schweiz musste sich als Millionenlos-Glücksbringerin von Kollegin Jenny Gerber vertreten lassen. Bei einem Skiunfall in St. Moritz hatte sich Bianca Sissing am Freitag an einer Skikante eine tiefe Schnittwunde am linken Bein zugezogen. Nach ambulanter Behandlung konnte sie das Spital wieder verlassen: «Aber für die Gala musste ich passen, denn ich brauche viel Ruhe.»
Die Kategoriensieger: Gesellschaft: Karin Mölling, Virologin an der Universität Zürich. Kultur: Ernst Beyeler, Galerist. Politik: Carla Del Ponte, ehemalige Chefanklägerin des UNO-Sondertribunals und neue Schweizer Botschafterin in Argentinien. Show: Marc Forster, Filmregisseur. Wirtschaft: Daniel Borel, Mitbegründer der Schweizer Computermäuse- und Tastaturenherstellerin Logitech.
Von André Häfliger, Zürich
Nachgefragt
bei Jörg Abderhalden (28), Schweizer des Jahres 2007
Sind Sie überrascht?
Jörg Abderhalden: Ja, denn ich habe nicht damit gerechnet, dass ich als Vertreter eines Nationalsportes so viele auch international tätige Persönlichkeiten ausstechen kann. Umso mehr freut mich der Sieg, ich darf aber allen anderen auch gratulieren.
Sind erkämpfte Siege nicht schöner?
Abderhalden: Klar ist ein Triumph im Sägemehl, für den man lange hart trainieren muss, etwas anderes. Aber diese Auszeichnung erachte ich auch als schöne Anerkennung. Die Bergstein-Trophäe wird einen schönen Platz in meiner Vitrine zu Hause finden.
Sind Sie bei Ihren Fans auf Stimmenfang gegangen?
Abderhalden: Nein, das nicht. Aber wir haben unserem Umfeld natürlich gesagt: Schaut rein in die Sendung und wählt.
Welches sind Ihre nächsten Ziele?
Abderhalden: Ich wünsche mir in erster Linie, dass meine Frau Andrea und unsere zwei Kinder, die mich immer so stark unterstützen, gesund bleiben. Sportlich will ich dieses Jahr alles daran setzen, den Titel am Kilchberg-Schwinget, der nur alle sechs Jahre stattfindet, zu verteidigen. Ende Saison werde ich dann entscheiden, ob ich aufhöre oder ob ich nochmals zwei Jahre anhänge.
Federer, Sauber, Kuhn – und jetzt Sie. Haben Sportler mehr Sex-Appeal als Showstars?
Abderhalden: Das kann ich nicht genau beurteilen. Ich denke einfach, dass Sportlerinnen und Sportler eben auch viele Emotionen wecken können und das Publikum dadurch vielleicht mehr animiert ist, für sie abzustimmen.
André Häfliger
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