Jurafrage
Hat die Schweiz ihren Mittelpunkt bald wieder?
Das Dach der Triangulationspyramide vom Mittelpunkt der Schweiz auf der Alp Älggi dürfte am Samstag wieder auftauchen – und zwar am Rande der Schweiz: Am Fest der jurassischen Jugend in Tavannes, organisiert von den mutmasslichen Täter, den Béliers.
«Sehr sicher» sei das Wiederauftauchen des Dachs an dem Fest im Berner Jura, erklärte Marc Freléchoux, der Sprecher der seperatistischen Jugendbewegung, am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Wie er weiter verriet, ist das rund 100 Kilo schwere Dach nicht mehr in der Innerschweiz. Abhanden kam es seiner Auskunft gemäss in der Nacht auf den vergangenen Sonntag (20 Minuten Online berichtete).
Toni von Moos, der Alpverwalter bei der Korporative Sachseln, welcher das Älggi gehört, vermutete nach Bekanntwerden des Diebstahls am Dienstag zunächst, die Diebe seien mit dem Gewicht nicht weit gekommen. Die Strasse auf die 1650 Meter über Meer gelegene Alp ist gesperrt. Zudem liegt teilweise noch Schnee.

Die Pyramide am geografischen Mittelpunkt
der Schweiz (Bild: Keystone)
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Gelassenheit in Obwalden
Das Dach bestehe aus vier dreieckigen Elementen zu je 25 Kilo, sagte Freléchoux. Sie liessen sich leicht auf dem Rücken eines mittelkräftigen Menschen abtransportieren.
In Obwalden, wo die Zuständigen erst am Dienstag nach einer Information durch die Nachrichtenagentur SDA Nachschau auf der Alp gehalten hatten, wurde unterdessen Anzeige eingereicht. Das bestätigte die Kantonspolizei.
Sollte das Dach am Wochenende wieder auftauchen und zurückgegeben werden, dürfte sie bald dahinfallen. Die Innerschweizer Alpbesitzer nahmen den Zwischenfall nämlich nicht weiter tragisch. Sie hoffen einfach, das Dach wieder zu erhalten. |

Exklusives Bild! (Bild: Hans Spichtig) |
Fest auf «feindlichem Boden»
Das Fest der jurassischen Jugend in Tavannes findet bereits zum zehnten Mal statt. Der Anlass der seperatistischen Béliers auf Berner Kantonsgebiet führte 2008 zu Auseinandersetzungen mit dem berntreuen Gegenstück, den Sangliers.
Die Polizei musste die verfeindeten Lager auseinander halten. Dieses Jahr rechnet sie mit erhöhter Spannung, weil die interjurassische Versammlung vor gut 10 Tagen einen langerwarteten Bericht vorgelegt hatte (20 Minuten Online berichtete). In diesem Zusammenhang verstärkten beide Lager ihre Aktivitäten.
Gemäss Polizeisprecherin Rose-Marie Comte unternimmt die Berner Kantonspolizei alle nötigen Schritte, um Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten. |
Unvergessen: Der Unspunnenstein
Ein grosses Tamtam um das Wiederauftauchen eines verschwundenen symbolträchtigen Gegenstands gehört zu den Spezialitäten der Béliers. Der 17 Jahre lang «verschwundene» Unspunnenstein wurde im August 2001 am Marché-Concours in Saignelégier JU Shawne Fielding, der Frau von Thomas Borer, dem damaligen Schweizer Botschafter in Deutschland, übergeben.
Zum traditionellen Steinstossen war das gute Stück unbrauchbar: Eingemeisselte Europasterne hatten sein Gewicht verändert. Für den Sport war 1985 sowieso ein neuer Brocken aus Grimselgranit von 83,5 Kilo zurechtgehauen worden.
Der ursprüngliche Stein vom ersten Interlakner Unspunnenfest 1805 ist verschollen. Der von den Béliers entführte Brocken stand von 1808 bis 1981 im Einsatz. 2005 kam er erneut weg. Den dritten Unspunnenstein verwahrt die Grossbank UBS hinter Schloss und Riegel.
Quelle: SDA/ATS |